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Freitag, 13. Juli 2012

Heute: der Gehörsinn in Bus und Bahn


Habe heute Menschen in Bus und Bahn beobachtet. Zwischen Köln und Bonn am Nachmittag und spät abends. Weil es zuviele Reize waren, hab ich mich nur aufs Hören konzentriert. Das hab ich während insgesamt 4 Stunden Fahrt beobachtet:

Busfahrer in beiden Städten reden während der Fahrt mit ihrem Handy oder der Freisprechanlage privat. Sprache: Türkisch, Russisch, Deutsch und Kurdisch

Mann redet ganz laut mit Handy und wiederholt immer wieder bestimmte Fragesätze. Beim Verlassen der Bahn beendet er das Gespräch. Habe geguckt, wer das war: Augen haben Nordafrikaner identifiziert

Frau diskutiert ganz laut und sehr gestikreich mit Handy in Bahn. Bahn fährt durch Tunnel, knittert, knattert, quietscht. Mein Zahn tut ja schon weh von der Vibration und dem Geräusch. Frau wird während dessen noch lauter. Komisch, daß sie überhaupt noch etwas hört. Ich höre draussen auf der Strasse und in der Bahn so schlecht, daß ich eh nie telefoniere. Frau wird immer wütender im Ton und ihre rechte Hand schlägt sie immer wieder in die Luft so als ob sie jemandem eine Ohrfeige gibt

Dann kommt ihre Haltestele. Sie steht auf, packt ihre zwei Taschen, Jacke und hält mit der Last in der einen Hand immernoch das Handy am Ohr. Kurz vorm Aussteigen beendet sie im normalen Ton das Gespräch und als sie draussen ist, wo es wesentlich ruhiger ist, hat sie das Handy schon in der Tasche drin. Sprache und Aussehen: Südamerikanisch.

Frau schimpft laut mit ihren lauten Kindern. Sprache in Köln: Deutsch, Sprache in Bonn: Arabisch.

Zwei Frauen reden im leisen Ton, fast flüsternd ohne Punkt und Komma. Das Komische ist, daß beide gleichzeitig reden. Hören beide auch gleichzeitig zu? Ihr Flüstern und Zischhhhh Ton juckt mein Ohr. Sprache: Slawisch.

Was habe ich auf Deutsch gehört und verstanden?
Eine Kontonummer eines Mannes, den er an seine Mutter gab. Ein junger Vater mit Sohn, der mit seiner Freundin richtig Stress hatte am Telefon. Ein Mädchen, die ihre Freundin aufmunterte, endlich den Freund, der sie schlägt zu verlassen.

Ein Mädchen, die jemandem am Handy erzählte, was für ein "abgefuckt hammergeiles Date" sie hatte "mit so rischtisch allem Drum und Dran". Da bekamen drei Männer Kohlrabiohren und drehten sich um. Als sie das unschöne Gesicht auf dem schönen Körper sahen, blickten 2 wieder weg. 1 guckte noch etwas, dann schien er gelangweilt. Ein Blick blieb jedoch an ihr haften: Meins und die Frage: Womit bekommt sie soviel Wimperntusche wieder ab?
Dann im Bus in Köln zwei korpulente Frauen, die sich über Hunde, "das Amt", Spare Ribs, den Schorsch und so unterhalten haben.

Fand ich langweilig, also versuchte ich mal NICHTS zu hören... Klappte leider nicht.
Bus- und Bahnfahren ist anscheinend nicht mehr möglich ohne laute Gespräche, laute Musikkopfhörer, Handygespräche und ach ja, die Jugendlichen, die schon beim Einsteigen ihr Handy- Lautsprecher anhaben mit den letzten MTV, einslive und Radio Fantasy Charts. Sie gibt es in allen Sprachen, ob Deutsch, Türkisch, Afrikanisch, Russisch, Polnisch oder Arabisch oder oder...

Und eben waren da noch Jugendliche, die etwas immer wieder getan haben wie: Feuerzeugdeckel auf- und zu klappen, gegen Fensterscheibe im Takt klopfen, immer dieselben Wörter wiederholen, mit dem Fuss gegen etwas trommeln. Sprache: Keine. Aussehen: querbeet von A- Z.

Woher ich die Nationalitäten voneinader unterscheide, obwohl sie doch alle gleich aussehen, nämlich gleich Türkisch oder Afrikanisch? Naja, wie gesagt, ich beobachte gerne Menschen und höre genau zu, schau genau hin...

Während den 4 Stunden hab ich auch etwas Schönes gehört: Kinderlachen. Leider nur zwei Mal.

Mittwoch, 28. März 2012

Sonnig bis wolkig mit Aussicht auf...

Schnee. In Köln: klarer Himmel und Sonnenschein. In Aaachen; Schnee. Ok, Ihr werdet Euch jetzt fragen: Was soll das? Gestern schreibt minibebic Hurra, der Frühling ist da und heute postet sie erst vom Regenbogen (Juni 2011) und jetzt auch noch Schnee (März 2012). Ihr habt Recht, aber... ätschi bätschi MEIN Blog. Bei mir können alle Jahreszeiten an einem Tag stattfinden.

Freitag, 10. September 2010

Ich kaufe mir die Gerechtigkeit

Da sitze ich also ihm gegenüber. Ein Name im Olymp der Intelektuellen. Ein Künstler. Ein Denker. Ein Freigeist. Ein Herman Friedrichs. Ein Koloss von einem Mann. Ich habe das Vergnügen mit ihm einen Abteil zu teilen und bis nach München mit ihm zu fahren. Da frage ich ihn über seine Ansichten über Gott und die Welt.

mb
: Lieber Herr Friedrichs...
hf: Nennen Sie mich bitte Herman.
mb: Also gut lieber Herr Mann, Ihr neues Buch "Da hab ich den Kapitalismus um die Ecke gebracht" ist von den Bestsellerlisten von Platz 1 garnicht mehr wegzudenken. Und es ist ein sehr heiß umstrittenes Buch. Sie haben ebenso viele Gegner wie Anhänger.
hf: Irgendwann kamen die Eigenheime und das Geld ins Spiel. Irgendwann lebte jeder sein eigenes Leben. Auf einmal gab es keine Wochenendspaziergänge und Brunchs mehr. Auf einmal war jeder mit seinem eigenen Dunst beschäftigt. Auf einmal regierte Geld die heile Welt. Und niemand hatte Zeit. Zeit ist Geld?
Auf einmal verschwand das Gefühl von Heimat. Die Heimatlosen waren jetzt erst recht heimatlos.
Geld ist Dreck meiner Hand und ich scheiß auf Geld. Ich scheiß auf Ehrgeiz und Karriere. Ich scheiß auf Eigenheimzulage. Ich scheiß auf Pläne, die niemals wahr werden. Glaube es mir oder nicht, es wird IMMER anders denken, als Du kommst. Mein Zimmer ist längst vollgeschissen. Deshalb gibts bei mir am Wochenende falscher Hase. Mit Petersilie im Ohr.
Und ich scheiße auf alles, was nur nach Geld riecht.
Sklaven der Gesellschaft. Opfer des Kapitalismus.

Ich verstehe nur Bahnhof und schon muß ich aussteigen...

Samstag, 28. März 2009

Bahnhof Chic



Ein fruchtiges Orange trifft die Eleganz einer Rot Nuance der Korallenmeere und ein Hauch von kühlem Grau. Der Trend des Sommers: Deep Ocean. Bottrop Schick könnte man das wohl auch nennen.Böööhze Bebic.

In die falsche U Bahn einsteigen, weil um 8h früh mein Biorhytmus noch im Schlafmodi/Offline total/alphaphase (such Dir eins aus) ist, hat auch seine Vorteile. Aber wer bitte will auch schon nach Ossendorf? Da warte ich also am gemütlich, kuscheligen Bahnhof Appelhofplatz und während ich 13 Minuten auf die nächste U Bahn warte, denke ich mir nur so... da denke ich nur: Hey, schick so ein leerer Bahnhof und alles so energievolles Orange. Dann hole ich meine SchlechtQualitätDigi raus und fühle mich wie Newton. Newtons Nudes.

Et voila, c`est ca! Könnte man mit einer guten Kamera eine ganze Serie draus machen und das Buch "Während ich schlief..." mit Untertitel "Orte der Erleuchtung" nennen. Könnte man. Muss aber nicht.

Montag, 15. Dezember 2008

Das Wort zum Montag

Aha, jetzt kapier ich es. Arog ist die Fortsetzung zu Gora und weil er 1.000.000 Jahre zurück versetzt wird, ist es Gora andersrum: Arog. Ach Männoh, sag doch gleich.
Aber ich fand Gora trotzdem besser. Die Popcorn hätten mehr Zucker vertragen.

Naja, wie dem auch sei. Der Spruch des Tages: Lebe glücklich lebe froh wie der Mops im Haferstroh. Aus meinem Posiealbum von Nicole H. aus Eilendorf, 1987. Was Nicole jetzt wohl macht? Ob es ihr gut geht? Wie sieht sie wohl aus?

Habe im Zug an drei Hauptthemen gedacht, die mich in dem Moment beschäftigten. Muß ja abstrahieren. Aus der bunten Suppe, den Grund- der Fond? - das Fleisch? filtern. Raus hat man die Substanz, die Basis. Also meine Basis (oder Fleisch-) Gedanken heute im Zug waren:

1. Hauptzeit in Deutschland von 8-18 Uhr (Arzt,Apotheke,Bank,Versicherung,Einkaufen)
2. Eltern erleben die Hektik der Kinder
3. Selbstdisziplin und die Selbst- Aufgabe von so einigen Frauen

Hmm yamm yummee was noch? Nein das war`s, dann kam schon Köln Hauptbahnhof. Jetzt ist ja die Fahrtzeit um halbe Stunde kürzer als vorher.
Na Holler die Waldfee, Gott sei Dank. Länger ertrage ich die Doofnüsse nämlich nicht.

PS: Kartoffelsalat ist lecker.

Montag, 29. September 2008

Abenteuer Bahnfahrt

Angekommen am Kölner Höwptbähnhöf hole ich mir erstmal überteuerten Cappucino und ein Tomaten Mozarella Sesambaguette, meine Lieblingssorte. 
Dann erwischt mich die Sarah hinten am Schulterblatt. Ich natürlich, sofort erstmal leidend von meinem Horror Trip nach Merzenich erzählt. Sie will mir als Trost eine Schoki vom Automaten ziehen. Merkt dann aber, dass sie kein Geld dabei hat. Also zieh ich ihr eine Schokowaffel und sage noch: " Das mag ich selber garnicht." Der Automat klemmt diese Schokiwaffel ein und es hängt da, wenige Zentimeter von seinem Glück entfernt. Also ich wieder 50 Cent rein und zieh mir eins von diesen wunderbar leckeren Waffeln. Mmm, lecker und sie sind auch so schön hell, fast weiß. Aber nicht abgelaufen. Murphy, ich erwische Dich irgendwann Freundchen. Dann gibt`s Hackfleisch. Oder Gulasch. 
Dann kommt der Rappelzug oder Bimmelbahn angerollt. Innen voll mit quiekenden quakenden Kindern und Menschen. Die Türen sind für jeden schwer zu öffnen. Drei junge afrikanische Mädchen möchten in Eschweiler aussteigen, jedoch sind sie zu spät. Sarah hilft ihnen noch, die Türe aufzukriegen, aber der Zug rollt schon. Die kleinste springt raus und Sarah hält die anderen zwei davon ab; der Zug rast schon mit gefühlten 280 km/h (In Blogs darf man ruhig ein klitzekleinwenig übertreiben) Die Mädchen schreien "Wir müssen raus, wir müssen raus." Die andere kleine schreit "Springt raus, springt raus." 
Dann an der nächsten Station helfen alle den hoffnungslosen Mädchen, erneut die Türen aufzumachen. Das interessante ist, die Türen gehen auf beiden Seiten sowohl links als auch rechts auf. Sarah immerzu:" Das darf normalerweise gar nicht sein." Und ich rufe noch "Ihr müsst rechts aussteigen." Tja, dann entpuppt sich rechts doch als falsch, aber eine ältere Dame lotst sie dann doch nach links zum Ausgang. Ich hatte die Haltestellen verwechselt, ups. 
Das passiert dann noch einer Frau, die erst aussteigt und dann schnell zurückspringt. Als wir ankommen, atmen wir endlich alle auf. Eine Frau schlägt ein Kreuz (sagt man das so? Ich schlage ja keine Kreuze, nur Purzelbäume.... obwohl jetzt auch nicht mehr. Ich habbet im Kreuz.) Wahrscheinlich sitzt das kleine Mädchen immer noch an der ersten Haltestelle und wartet auf ihre Schwestern, die dann nach 3 Stunden verhungert und verdurstet  ankommen ühühü. Aber ich war schließlich heute auch von 16.30h bis 22.30h mit der Bahn unterwegs. Spannend war`s. Die Bahn kann einen echt immer wieder überraschen. Also langeweilig wirds nie. Ach ja Sarah macht Sachen und die kann man hier bewundern. Ich finde es toll, was Sarah macht.

Where the fuck is Merzenich?

Ich sitze seit fast 40 Minuten an der S- Bahn Haltestelle in dem Örtchen Merzenich. Meine Fingers sind zugefroren. Ausser einer Packung Kaugummi habe ich nichts Essbares dabei und so langsam sinkt mein Blutzucker auf 0. Merzenich, ja wo liegt denn nun Merzenich? Habe mir die Wohnung im Nachbarort angeguckt, die Vermieterin hatte schon Angst wegen Ausländerin am Telefon, aber als sie mich sah und mit mir redete, fanden sie mich ganz entzückend und wollten mich sehr gerne als Mieterin haben. Kenn ich sehr gut das Phänomen, am Telefon Angst "Wieee heißen Sie? Alkaida?" "Ja Omma, Alkaida, 12 Geschwister habe ich auch. Die sind Schläfer, schlafen und wohnen dann alle in den 35qm mit mir." Dann, wenn die älteren Herrschaften mich sehen und er-leben: "Sie sind aber freundlich, eine ganz feine Dame. Ich bin begeistert von Ihnen." Ich kann es niemandem übel nehmen, wirklich nicht. Es gibt nun einmal Vorurteile gegen den, der anders ist. Man sollte sie einfach benennen, Beispiele nennen und dem anderen, die Chance geben, dazu etwas zu sagen oder zu zeigen: Wir können auch anders. Wir sind nicht alle gleich. Oder man pflegt weiterhin seine Vorurteile und findet, was man sucht. Ich kann im Ostviertel nur Assis sehen, ich kann aber auch interessante Menschen sehen, je nachdem wie ich gucke, was ich sehen will. That`s all.

Die Wohnung war leider vom Vormieter ziemlich übel zugerichtet und da steckt viel Arbeit drin. Mal gucken, muss ich noch drüber schlafen. Naja wie dem auch sei, dann also nächster Besichtigungs- Temin in Merzenich. Denke noch, ja toll eine Wohnung mitten im Grünen, drumherum Felder, Wiesen und Wald. Der Zug verspätet sich, die S- Bahn hat eine kaputte Türe, so dass ich ca. 40 Minuten spät dran bin, es dunkel ist und ich nichts mehr sehe. Nachtblind halt. Habe mittlerweile die Maklerin schon dreimal aufs AB gesprochen. Meine Leiden wird sie aber erst morgen früh sich anhören und die Augen wahrscheinlich verdrehend sagen: "Ausländer, immer diese Lügenmärchen." Hätte ich doch mal ihre Handynummer genommen, aber im Moment reagiere ich allergisch auf Handys. Andere Geschichte. Der letzte Bus ist um 18.09 schon abgefahren. Tja, zwei Stunden zu spät was Tüddelchen. Und ich denke nur, Verdammt, du bist in einem Scheiß Kaff gelandet. Was soll ich denn hier?

Also zurück zur S- Bahn Haltestelle. Next S- Bahn in 40 Minuten nach Köln um dann von da aus mit dem Zug zurück nach Hause zu fahren, so um 22.30h dann im Home sweet Home.
An solchen Tagen möchte ich Murphy erschiessen. Wenn es schief gehen soll, geht es schief. Blöder Sack, dieser Murphy.
Vor Hunger ausgemergelt und vor Kälte am zittern sehe ich mich um- in diesem Merzenich. Weit und breit nur Felder. Rein garnichts was an eine Menschenseele erinnert. Denke nur Merzenich ist ja voll scheiße. Rufe meine Freundin Tatjana an, die in der Nähe wohnt und klage über ihr Nachbarort, "Where the fuck is Merzenich?" fragt sie und ob das gute Örtchen überhaupt auf der Karte zu sehen sei. Also ich finds schööön hier, nur leider sehe ich ja nichts im Dunkeln.

Dann reden wir über die Spezies Mann, unser Lieblingsthema. Sie ist der Meinung, dass Männer die Frauen wie Marionetten behandeln und manchmal einfach nur pipimanngesteuert sind und die Frau, die sich selbst anscheinend wertlos sieht, macht und tut und alles für den Mann. Ist froh, wenn er sie mal nett streichelt, ihr mal da ein Rösschen, da netten Spruch gibt und wundert sich nachher warum er sie betrügt oder sie verlässt. Ich nur nebenbei Hey Merzenich ist ja garnicht so doof. Ja ja die Frauen sind`s ja selbst schuld stellen wir dann auch fest. Dieses doofe Beuteschema, immer den gleichen Typen auszusuchen, der einen verletzt, was man vorher eigentlich schon wußte, nischt? Weil wir es zulassen, und uns die Liebe nicht selbst zu geben in der Lage sind. Erziehung spielt da eine große Rolle, sagen wir dann denk ich nur nebenbei Mensch ist Merzenich wunderschön. Ich habe mich schon dran gewöhnt. Kuschelig ist es hier und so gesellig. So langsam kommen dann grummeln aus meinem Bauch und ich spüre einen leichten Schwindel, ich schnell Kaugummi in die Kiemen geschoben, kau kau kau und Tatjana koch koch koch, für den Freund, der von der Arbeit zu ihr nach Hause kommt. Ich beende dann mal unser interessantes Gespräch.

Oh die S- Bahn kütt, Moment.
So sitze im Warmen, ich denke gerade daran, wie schön es wohl ist, in Merzenich zu wohnen. Ich sollte morgen vielleicht wieder versuchen, die Wohnung zu besichtigen. Ja, das mache ich. Aber nicht um 19h, wie wäre es mit 17.45h? Dann erwische ich noch den Bus.
Merzenich, ich komme. Ich gebe Dir und mir eine zweite Schonze.
I LOVE MERZENICH.

Sonntag, 28. September 2008

Heute bin ich...

... die Frau aus dem Zug.
Sie hatte alles gesehen, was man sehen muss und noch viel mehr. Sie hatte alles erlebt, was ein Mensch in seinem Leben nur erleben kann. Mit dem Unterschied, dass sie erst Mitte 30 war. In ihrem Beruf war sie eine starke Frau, sie managte alles in der Familie ebenso gelassen wie im Job. Sie hatte nur ein kleines Geheimnis, um dass keiner Bescheid wusste. Sie konnte durch die Augen der Menschen in ihre Seelen blicken. Das bereitete ihr sehr viele Schmerzen. Und trotz ihrer Gabe, was sie als Fluch empfand, suchte sie immer wieder etwas in Beziehungen zu Männern, wo sie von vornherein wusste, dass er sie verletzen wird. Eines Tages kam es soweit, dass ihr Herz endgültig zerbrach. Sie konnte es sehr gut hören, wie es in Stücke brach. Nichts konnte all den Schmerz, die Enttäuschung und Verletzung der letzten Jahre wegmachen. Es gab kein Trost mehr für sie. Es gab keinen Ort der Ruhe mehr für sie. Sie kam am Ende des Weges an. Nichts holte ihre Jugend und die Hoffnung zurück. Nichts brachte ihren toten Geliebten zurück. Alles war weg, verlebt, verblüht und tot. Sie sah 15 Jahre älter aus, als sie ist. Und wenn sie aus dem Fenster rausguckte, vorbei an den Feldern, wo der Zug schnell vorbeifuhr, dann blickte sie nicht nach draußen sondern in sich, in ihre Vergangenheit. Leute steigen ein, steigen aus. Es ist mal leise, mal laut. Der Zug hält, der Zug fährt. Sie saß still und bewegungslos mir gegenüber. Fast sah es so aus, als würde sie nicht einmal atmen. Sie blickte ab und zu nach draußen und Wehmut machte sich in jedem Winkel ihres Gesichtes breit. Ihre Augen füllten sich mit trockenen Tränen. Wehmut, Traurigkeit, schmerzende Erinnerungen, Gleichgültigkeit, Einsamkeit... all das sah man ihr an. Es war wie auf ihr Gesicht geschrieben. Ich habe noch nie so einen traurigen Menschen gesehen, und ich habe schon viele gesehen.
An dem Abend, wo alles weg war, kein Tropfen Hoffnung ihr blieb, nahm sie das japanische Küchenmesser und schnitt sich die Pulsadern beider Arme auf. Das Blut war ganz warm und purpurrot. Es ist eine schöne Farbe dachte sie noch, als sie umfiel und alles um sie Schwarz wurde. Sie nahm sich das Leben, was sie nicht gelebt hat.

Das ist nun 7 Jahre her. Sie fährt jeden Tag zur Tagesklinik aufs Land. Dort bekommt sie genug Benzo, dass sie soviel Bewusstsein hat, den Weg nach Hause zurück zu finden und soviel Unbewusstsein, dass sie es nie wieder tun wird. Alles ist so schwer für sie, sie schafft nur diesen einen Weg seit 7 Jahren, sonst keinen. Und die Ärzte nennen es Fortschritt.
Sie hat sich an dem Abend nicht die Pulsadern aufgeschnitten, sondern ihr Ich verloren. Als sie an einem fremden Ort umherlief, verlor sie einfach das Bewusstsein. Jemand hat sie am nächsten Morgen an einer Hausmauer entdeckt.
Sie weiß nicht, wer sie ist. Aber sie erinnert sich an alles aus ihrer Vergangenheit, als wäre es eben passiert. Seitdem träumt sie fast jede Nacht diesen Traum. Ihr Herz zerbricht, sie schneidet sich die Pulsadern auf. Ihr Herz zerbricht, sie schneidet sich die Pulsadern auf. Ihr Herz zerbricht .... Sie wacht morgens auf und wundert sich, dass sie noch am Leben ist. Sie schaut auf ihre Arme, da sind Narben, aber außer ihr sieht sie keiner. Da ist nichts. Sie geht zum Spiegel, weder erkennt sie sich noch nimmt sie sich anders wahr. Sie kann sich nicht einmal fühlen. Und lebt seit 7 Jahren den gleichen Traum, Tag für Tag. Tag für Tag. Als wäre alles eine Kopie einer Kopie und mit jeder Kopie wird es unschärfer, unklarer und am Ende steht sie da, wo sie am Anfang stand. Als ob sie sich nur im Kreis dreht. Immer und immer wieder. Diese Frau hat kein Gesicht, keinen Namen, keine Identität. Sie lebt nur in dem einen Traum.
In Deinem Kopf.

Freitag, 26. September 2008

Zuggeschichten

Trudi begegnet an Bahnhöfen und im Zug ganz vielen unterschiedlichen Menschen. "Wo fährt er hin? Wo kommt sie her?" fragt sie sich immer wieder und beobachtet das Geschehen. Auf ihrer täglichen Route Aachen-Köln-Aachen trifft sie auf nette, interessante, traurige, lustige, freundliche und manchmal kuriose, blöde Menschen. minibebic hat einige dieser Begegnungen (die netten) bildlich festgehalten und möchte sie unter der Rubrik "Trudi und die Menschen" vorstellen. All diese Menschen haben ihre Geschichten, ihre Erfahrungen und Geheimnisse. Wenn man genau hinschaut, kann man diese vielleicht ein wenig erkennen? Schau genau hin!

Für die freundliche "Mitarbeit" und Erlaubnis, die Fotos zu veröffentlichen, sagt minibebic Danke!

Donnerstag, 25. September 2008

Zuggeschichten

Die Herbstferien fangen bald an. Der Zug und um den Kölner Dom herum war mit Kindern überfüllt. Wo man auch hinschaut, I-Dötzchen, schön brav Händchen haltend, in 2er Reihen. Mal mit Gruppentrikots, mal mit gelben Mützchen. Einige waren die Reiseführer mit Gruppenschild -GGS Overath-. Das Kurioseste im Zug war die Lehrerin: "Sofie, Du störst die Frau neben Dir beim Chillen. Schrei nicht wie auf dem türkischen Basar." Dann später "Jasper, sei leiser. Ich fühle mich durch Dich bei meiner Meditation gestört." Irgendwie hat die Frau ihren Beruf verfehlt, oder? Aber sehr nett war`s, die Zugfahrt :o)

PS: Das Hörspiel von Jan Weiler "Drachensaat" unbedingt anhören. Es ist einfach nur genial!